Johanniskraut

Hypericum perforatum L.

Familie: Hypericaceae (Johanniskrautgewächse)

Steckbrief

Pflanzenteile
Blütentragendes Kraut (Hyperici herba)
Sammelzeit
Juni–August (zur Blütezeit; Blüten geben roten Saft = Hypericin-Test)
Vorkommen
Europa, Westasien; Wiesen, Wegränder, lichte Wälder
Volksnamen
Echtes Johanniskraut, Tüpfel-Johanniskraut, Hartheu, Teufelsaustreiber, Hexenkraut

Wirkungen

  • Antidepressiv (Hyperforin hemmt Serotonin-/Dopamin-/Noradrenalin-Wiederaufnahme – Triple-Reuptake-Hemmer)
  • Anxiolytisch (angstlösend)
  • Schlafverbessernd (Schlafqualität)
  • Antiviral (Hypericin – gegen behüllte Viren in vitro)
  • Antibakteriell (Hyperforin)
  • Wundheilungsfördernd (äußerlich)
  • Entzündungshemmend (Hyperforin hemmt 5-LOX)

Wirkstoffe

  • Naphthodianthrone: Hypericin, Pseudohypericin (0,1–0,3 %; photosensibilisierend!)
  • Phloroglucinderivate: Hyperforin (2–4 %; Hauptantidepressivum – hemmt Wiederaufnahme von Serotonin, Dopamin, Noradrenalin, GABA)
  • Flavonoide: Hyperoside, Rutin, Amentoflavon, Isoquercitrin
  • Phenylcarbonsäuren: Chlorogensäure, Kaffeesäure
  • Xanthone: Kielcorin (Spuren)
  • Ätherisches Öl (< 0,1 %): Caryophyllen, Pinen

Anwendungsgebiete

Innere Anwendung

  • Leichte bis mittelschwere Depressionen (gut belegt, vergleichbar mit synthetischen Antidepressiva)
  • Ängstlichkeit, innere Unruhe
  • Nervöse Erschöpfung
  • Stimmungsschwankungen (z. B. PMS)
  • Saisonal abhängige Depression (SAD – begleitend zur Lichttherapie)

Äußere Anwendung

  • Wunden, leichte Verbrennungen (Rotöl/Johanniskrautöl)
  • Muskelschmerzen, Neuralgien (Einreibungen)
  • Kontusionen (Prellungen)

Zubereitung & Dosierung

Art Anleitung Dosierung
Fertigpräparat (Extrakt) Standardisiert: 0,3% Hypericin, 3–5% Hyperforin (z. B. LI 160, WS 5570) 300 mg Extrakt 3x täglich
Tee (Aufguss) 2–4 g Kraut auf 150 ml kochendem Wasser, 10 Min. 3x täglich (Hyperforin kaum wasserlöslich – Tee wirkt kaum antidepressiv!)
Tinktur 1:5 in 60% Alkohol 3x 30–60 Tropfen täglich
Johanniskrautöl (äußerlich) Frische Blüten in Olivenöl (4–6 Wochen Mazeration im Sonnenlicht) Mehrmals täglich auftragen
Anwendungsdauer Mindestens 4–6 Wochen für antidepressive Wirkung

Sicherheit

Kontraindikationen

  • Schwere Depression (psychiatrische Behandlung nötig – kein Ersatz für klinische Therapie!)
  • Bipolare Erkrankung (kann Manie auslösen)
  • Photosensibilisierung bei sehr heller Haut (Hypericin)

Wechselwirkungen

  • KRITISCH – CYP3A4- und P-Glykoprotein-Induktor KRITISCH
  • Cyclosporin (Immunsuppressivum): Wirkungsverlust → Abstoßungsreaktion
  • HIV-Proteasehemmer (Indinavir): Wirkungsverlust
  • Orale Kontrazeptiva (Pille): Verhütungsversagen!
  • Digoxin: Wirkungsverlust
  • Warfarin/Marcumar: Wirkungsverlust → Thrombosegefahr
  • SSRI/Antidepressiva: Serotonin-Syndrom (gefährlich!)
  • Triptane (Migräne): Serotonin-Syndrom
  • Zytostatika (Imatinib, Irinotecan): Wirkungsverlust

Schwangerschaft & Stillzeit

Nicht empfohlen (fehlende Sicherheitsdaten, CYP-Interaktionen)

Besonderheiten

  • Johanniskraut ist das meistgekaufte Antidepressivum in Deutschland (übertrifft synthetische Antidepressiva volumenmäßig)
  • Metaanalysen zeigen Wirksamkeit vergleichbar mit SSRIs bei leichter bis mittelschwerer Depression, mit besserem Nebenwirkungsprofil
  • Teezubereitung ist für antidepressive Wirkung nicht ausreichend – Hyperforin ist kaum wasserlöslich; nur Alkohol- oder Trockenextrakte enthalten wirksame Mengen
  • Ernte zur Johannisnacht (24. Juni = Blütezeit) – daher "Johanniskraut"
  • Der rote Saft beim Zerreiben der Blüten ist kein Hypericin, sondern ein Hypericin-Vorstufengemisch (wird im Ölauszug wichtig)

Johanniskraut – Hypericum perforatum gehört zu den Hypericaceae (Johanniskrautgewächse) und johanniskraut ist das meistgekaufte Antidepressivum in Deutschland (übertrifft synthetische Antidepressiva volumenmäßig).

Besonderheiten

  • Johanniskraut ist das meistgekaufte Antidepressivum in Deutschland (übertrifft synthetische Antidepressiva volumenmäßig)
  • Metaanalysen zeigen Wirksamkeit vergleichbar mit SSRIs bei leichter bis mittelschwerer Depression, mit besserem Nebenwirkungsprofil
  • Teezubereitung ist für antidepressive Wirkung nicht ausreichend – Hyperforin ist kaum wasserlöslich; nur Alkohol- oder Trockenextrakte enthalten wirksame Mengen
  • Ernte zur Johannisnacht (24. Juni = Blütezeit) – daher “Johanniskraut”
  • Der rote Saft beim Zerreiben der Blüten ist kein Hypericin, sondern ein Hypericin-Vorstufengemisch (wird im Ölauszug wichtig)

Verwandte Anwendungsgebiete

Häufige Fragen

Wofür wird Johanniskraut verwendet?
Leichte bis mittelschwere Depressionen (gut belegt, vergleichbar mit synthetischen Antidepressiva), Ängstlichkeit, innere Unruhe, Nervöse Erschöpfung
Wie bereitet man Johanniskraut als Tee zu?
2–4 g Kraut auf 150 ml kochendem Wasser, 10 Min. Dosierung: 3x täglich (Hyperforin kaum wasserlöslich – Tee wirkt kaum antidepressiv!)
Hat Johanniskraut Wechselwirkungen?
KRITISCH – CYP3A4- und P-Glykoprotein-Induktor Cyclosporin (Immunsuppressivum): Wirkungsverlust → Abstoßungsreaktion HIV-Proteasehemmer (Indinavir): Wirkungsverlust Orale Kontrazeptiva (Pille): Verhütungsversagen! Digoxin: Wirkungsverlust Warfarin/Marcumar: Wirkungsverlust → Thrombosegefahr SSRI/Antidepressiva: Serotonin-Syndrom (gefährlich!) Triptane (Migräne): Serotonin-Syndrom Zytostatika (Imatinib, Irinotecan): Wirkungsverlust