Mund und Rachen
Zahnfleischentzündungen, Aphten, Mundgeruch, Halsschmerzen und Heiserkeit lassen sich mit lokal wirkenden Phytotherapeutika sehr effektiv behandeln. Adstringierende, antibakterielle und schleimhautberuhigende Kräuter werden als Spülung, Gurgellösung oder Lutschtablette eingesetzt.
Typische Beschwerdebilder
- Gingivitis (Zahnfleischentzündung) und Parodontitis (begleitend)
- Aphten und Mundschleimhautentzündungen (Stomatitis)
- Mundgeruch (Halitosis) durch bakterielle Besiedelung
- Halsschmerzen und Rachenentzündung (Pharyngitis)
- Mandelentzündung (Tonsillitis, leicht bis mittelgradig)
- Heiserkeit und Laryngitis
- Mund-Trockenheit (Xerostomie)
- Wundheilung nach Zahnextraktion
Bewährte Heilkräuter (7)
- Salbei→
Salvia officinalis
Zum Kräuter-Profil →Wirkstoffe: Rosmarinsäure, Thujon, Cineol, Diterpene
Wirkprinzip: Stark antibakteriell, adstringierend, antiperspirant, entzündungshemmend
- Kamille→
Matricaria chamomilla
Zum Kräuter-Profil →Wirkstoffe: Chamazulen, Bisabolol, Apigenin
Wirkprinzip: Antiphlogistisch, antimikrobiell, wundheilungsfördernd
- Myrrhe
Commiphora molmol
Wirkstoffe: Terpenoide (Furanosesquiterpene), Guggulsterone
Wirkprinzip: Adstringierend, antibakteriell, wundheilungsfördernd, antifungal
- Ratanhia
Krameria lappacea
Wirkstoffe: Proanthocyanidine, Ratanhin, Benzofurane
Wirkprinzip: Stark adstringierend, blutstillend, antibakteriell (bewährt bei Zahnfleischbluten)
- Isländisch Moos
Cetraria islandica
Wirkstoffe: Lichenin, Isolichenin, Flechtensäuren
Wirkprinzip: Schleimhautprotektiv, antikatarrhalisch, antibakteriell
- Thymian→
Thymus vulgaris
Zum Kräuter-Profil →Wirkstoffe: Thymol, Carvacrol, ätherische Öle
Wirkprinzip: Stark antibakteriell, antiviral, entzündungshemmend
- Süßholz→
Glycyrrhiza glabra
Zum Kräuter-Profil →Wirkstoffe: Glycyrrhizin, Liquiritin, Flavonoide
Wirkprinzip: Schleimhautprotektiv, entzündungshemmend, antiviral
Zubereitungsformen
- [[04_Tee_Aufguss]] – als Mundspülung und Gurgellösung (3–5 x täglich nach dem Essen)
- [[04_Tinktur]] – Myrrhe-Tinktur, Ratanhia-Tinktur (Salbei-Tinktur) direkt auftragen oder verdünnt spülen
- [[04_Pflanzliche_Fertigpraeparate]] – Lutschtabletten (Isländisch Moos, Salbei, Süßholz)
- [[04_Oelmazeration]] – Ölziehen (Sesam- oder Kokosöl) mit Thymol/ätherischen Ölen als Mundöl
- [[04_Frischpflanzensaft]] – Salbeiblätter direkt auf Aphten reiben (schnelle Linderung)
Bewährte Teemischungen
Mischung 1 – Zahnfleisch-Spüllösung (antibakteriell, adstringierend)
- Salbeiblätter: 40 g
- Kamillenblüten: 30 g
- Ratanhiawurzel: 30 g
Zubereitung: 2 TL (ca. 3 g) auf 250 ml kochendes Wasser, 15 Minuten abgedeckt ziehen lassen, abseihen, auf Mundtemperatur abkühlen. Als Mundspülung 30–60 Sekunden spülen und dann ausspucken (nicht schlucken). 3–5 x täglich nach dem Zähneputzen. Bei Zahnfleischbluten 4–6 Wochen anwenden.
Mischung 2 – Halsgurgelwasser (bei Halsschmerzen und Angina)
- Salbeiblätter: 35 g
- Thymian: 35 g
- Isländisch Moos: 30 g
Zubereitung: 2 TL (ca. 3 g) auf 250 ml kochendes Wasser, 15 Minuten ziehen lassen. Noch warm (erträglich heiß) gurgeln: 30–60 Sekunden, dann ausspucken. 4–6 x täglich bei akuten Halsschmerzen. Optional: je 1 TL Salz und Natron zugeben für verstärkte antiseptische Wirkung.
Mischung 3 – Aphten- und Schleimhaut-Tee (innerlich und äußerlich)
- Kamille: 40 g
- Süßholzwurzel: 30 g
- Myrrhe (als Tinktur, 10 Tropfen separat): –
- Isländisch Moos: 30 g
Zubereitung: 2 TL Kamille + Süßholz + Isländisch Moos auf 250 ml kochendes Wasser (90°C, nicht kochend für Schleimstofferhalt), 10 Minuten ziehen lassen. 10 Tropfen Myrrhe-Tinktur zugeben. Als Mundspülung und schluckweise trinken. 3 x täglich. Aphten direkt mit Myrrhe-Tinktur betupfen.
Ernährungs- & Lebensstiltipps
- Zahnhygiene: Zähneputzen 2 x täglich + Zungenreiniger reduziert Halitosis-Bakterien um 70%
- Zuckerarme Ernährung schützt Zahnschmelz und Zahnfleisch
- Knackiges rohes Gemüse (Möhren, Sellerie) reinigt die Zahnoberflächen mechanisch
- Regelmäßiges Trinken verhindert Mundtrockenheit (Speichel ist natürlicher Schutzfaktor)
- Salbei als Gewürz täglich einsetzen (in Pasta, Soßen, Tee) – wirkt präventiv auf Mundflora
Grenzen der Selbstbehandlung
- Anhaltende Halsschmerzen über 3–4 Tage mit Fieber → Abstrich auf Streptokokken
- Epiglottitis-Verdacht (starke Schluckbeschwerden, Speichelfluss, Fieber, Erstickungsgefühl) → Notruf 112
- Aphten die nicht innerhalb von 2 Wochen abheilen → Abklärung
- Schmerzlose Mundschleimhautveränderungen (weiße Flecken/Leukoplakie) → Zahnarzt
- Salbei nicht in der Schwangerschaft (Thujon-Gehalt, uterusstimulierend)
- Süßholz bei Hypertonie, Ödemen, Herzinsuffizienz: nur kurz anwenden (Glycyrrhizin)
- Myrrhe-Tinktur enthält Alkohol – nicht bei Kindern unter 12 Jahren